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Mein Gedichte-Sammelsurium

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Assoziativ entstandene Gelegenheitsgedichte, hingeschrieben nach dem Aufwachen, beim Faulenzen,
beim Briefe- oder E-Mail-Schreiben, beim allgemeinen Nachdenken oder um die Steuererklärung
noch ein bisschen hinauszuschieben
Ich werde hin und wieder eines hier hinstellen –
vielleicht hat ja die eine oder der andere etwas Spaß daran.
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Der Herbst
Sonett
Blumen fotografieren
Schönes Wetter
Ts-ts
Lebens-Einschnitt
Die Geistesblitze
Zahlenlyrik
Der Pfingstochs
Ein Osterei
Frühlingsgefühle
Weihnachten
Vögel zwitschern
Gibt es tatsächlich
?
Steuern
Bis Eching vierspurig
Traumrest beim Aufwachen
Die Reform der Reform
Schöner Mensch
Wahljahr 2005
Ente und Eule
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Im Herbst fallen die Blätter, wie man weiß,
und auch die Außentemperaturen sinken.
Den Wald sieht man im Farbenrausch ertrinken.
Tagtäglich tiefer steht der Sonnenkreis.
In freiem Fall erfreut der T-Shirt-Preis.
(Fast gratis gibts die gelben und die pinken.)
Von toten Ästen fallen tote Finken.
In Depressionen fällt ein Tattergreis.
Über das Wetter fallen harsche Worte.
Es fällt der Nebel übers feuchte Land.
Es fällt unheimlich schwer, nicht zu verpennen.
Da fällt mir ein, dass man an einem Orte:
in Nordamerika, es passend fand,
den Herbst schlicht und ergreifend FALL zu nennen.
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Blumen fotografieren
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Falls Sie wieder einmal knipsen möchten
und kein freundliches Gesicht zur Hand ist,
weil den Sohn (wie Ihnen längst bekannt ist)
nicht zehn Pferde vor die Linse brächten
und die Tochter (von der Frau zu schweigen)
erst nach endlosen Kosmetikschlachten
sich herbeilässt, ihr Gesicht zu zeigen
und das Foto später zu betrachten,
kurz: Ist die Familie nicht willig,
sollten Sie nicht gleich kapitulieren.
Schließlich war die Digi nicht ganz billig,
und: Man kann sich anders orientieren:
Haben nicht die Blumen auf den Fluren
immer freundlich lächelnde Gesichter?
Glänzen in den Kelchen nicht die Spuren
fröhlich heller Sommersonnenlichter?
Und gibts unter all den Funktionen
Ihrer Kamera nicht auch ein Makro-Knöpfchen?
Was gekostet hat, soll sich auch lohnen,
also: Los gehts, zu den Blumenköpfchen!
Wenn Sie dann auf Wiesen voller Blüten
auf den Knien vor einer Duft-Taglilie
in der Juli-Sonnenhitze brüten,
dann wird Ihnen klar: Seine Familie
kann man spielend leicht fotografieren,
auch wenn die Objekte gern enteilen
(während Blumen sich kein bisschen zieren
und mit endloser Geduld verweilen,
bis die optimale Perspektive
sich im Display zeigt) Natur indessen,
insbesondre, wenn ihre Motive
bodennah den Fotografen stressen,
ihn zu Knie- und Rückenbeugen zwingen,
die ihm im normalen Alltagsleben
schon seit langer Zeit nicht mehr gelingen
die Natur will, dass Sie alles geben:
Abgesehen von den Sonnenstrahlen,
die den Schweiß in Bächen rinnen lassen,
schickt sie Ihnen viele weitre Qualen:
Fliegende Insekten, die in Massen
Ihre ungeschützte Haut anbohren;
Dornen, die in Fingerbeeren stechen;
Spinngewebe, das an Ihren Ohren
eklig hängen bleibt; und diese frechen
rötlichen Ameisen, die die Röhren
Ihrer Hose innerlich erklimmen
und mit ihrer Säure schmerzhaft stören;
Vogelleichen, die nachdenklich stimmen;
und, versteckt im Gras, nicht zu erkennen,
knöcheltief Morast, in den Sie sinken;
und Brennnesselstängel, die Sie brennen;
und Stinkmorcheln, die erbärmlich stinken …
All diese naturgesandten Plagen
müssen Sie mit stoischem Gemüte
auf sich nehmen, demütig ertragen,
um das Abbild einer schönen Blüte
megapixelweise einzufangen
und als stolze Beute heimzubringen.
Welch ein hoher Preis für das Verlangen,
Schönheit auf Silizium zu zwingen!
Und Sie dürfen noch nicht jubilieren!
Erst am Bildschirm werden Sie erfahren,
ob Sie nicht vielleicht beim Fokussieren
eine Spur zu ungeduldig waren;
ob sich das Motiv nicht leicht bewegte
im Moment, wo Sie aufs Knöpfchen drückten;
ob Ihr Schatten sich aufs Bildfeld legte,
als Sie sich noch etwas tiefer bückten;
ob ein Käferhintern, zwecks Verrichtens
einer Notdurft, sich ganz heimlich vorschob
und in der Sekunde des Belichtens
eins der Blütenblätter schief emporhob …
kurz gesagt: ob Ihre Beutestücke
makellos, begeisternd, genial sind,
oder ob sie durch des Schicksals Tücke
unvollkommen, sprich: total banal sind
und am besten gleich im virtuellen
Abfallkorb für alle Zeit verschwinden,
eh die Speichermedien überquellen.
Solche Misserfolge zu verwinden
ist nicht leicht, das sei gern zugegeben,
und man wirds verstehn, wenn Sie begehren,
Ähnliches nicht zweimal zu erleben,
und der Blumenjagd den Rücken kehren,
um in Zukunft wieder Ihre Gören
in der eignen Wohnung abzulichten.
Wenn auf diesen Fotos Mängel stören,
müssen Sie sie trotzdem nicht vernichten,
denn hierbei ist Perfektion nicht wichtig,
sondern einzig der Erinnrungswert.
So zu knipsen ist auch nicht verkehrt
und für Sie vielleicht gerade richtig.
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Schönes Wetter
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Manchmal ist der Sommer viel zu heiß.
Manchmal sehnt man sich nach frischem Regen.
Lieber nass vom Regen als vom Schweiß.
Manchmal ist der Himmel viel zu blau.
Manchmal such ich schwarze Wolkentürme,
wenn ich in den blauen Himmel schau.
Manchmal ist das Wetter viel zu gut.
Manchmal fehlt der hingegossnen Landschaft
das Dramatische, der Sturm, die Flut.
Manchmal fließt das Leben viel zu glatt.
Manchmal fehlt die Spannung, das Erschrecken.
Manchmal habe ich das Glatte satt.
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Ts-ts
(Ich wollte schon lange ein Gedicht schreiben, dessen Reime auf ts-ts ausgehen)
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Manchen juckts, mancher kratzts.
Dem gelingts, der verpatzts.
Mal bleibts ganz, mal zerplatzts.
Sie verschweigts, er verschwatzts.
Sie bewahrts, er verheizts.
Manchen langweilts, manchen reizts.
Manchmal donnerts, manchmal blitzts.
Sie vergissts, er verschwitzts.
Sie veschenkts, er besitzts.
Sie bezahlts, er stibitzts.
Sie verkaufts, er versetzts.
Dieser trennts, der vernetzts.
Andre heilts, ihn verletzts.
Mancher hassts, einer schätzts.
Diesen freuts, mich vergrätzts.
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Lebens-Einschnitt
die Wahl eines klassischen Versmaßes rechtfertigend
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Eben noch, scheint es mir, fügt ich die folgenden wenigen Zeilen,
Froh, dass ein Urlaub begann, an den Schluss einer dienstlichen E-Mail,
Um den geneigten Empfänger, Gerhard den Emeritierten,
Nicht allein sachlich zu briefen, sondern auch heiter zu stimmen:
Siehe, es schreitet der rüstige Lektor gemessenen Schrittes
In die Tage und Wochen der unverplanten Erholung,
Hinter sich lassend die hilflos in Excel-Tabellen verstrickten,
Mit den Tücken und Finten des Windows-basierten Rechners
Weiter sich mühenden lieben Kolleginnen wie auch Kollegen.
Schon umkurvt er behende die Ausfahrt des Hueber-Gebäudes;
Kleiner schon werdend und leiser verfrachtet der blaue Toyota,
Selber auch nicht mehr der jüngste, seinen gelassenen Fahrer
Schnell in die lange ersehnten Gefilde der lieblichen Muße,
Die zu genießen er heiter entschlossen noch stärker aufs Gas tritt.
Aber ich stelle fest, fast bin ich darüber erschrocken:
Monate, Jahre ists her, dass ich diese Verse geschrieben
Und dem Empfänger geschickt hab. Es zeigt sich halt immer wieder,
Dass Wilhelm Busch (um nur einen zu nennen, der davon gesprochen)
Seinen berühmten Vers mit dem Sauseschritt keineswegs leichthin,
Sondern mit unmittelbarer Kenntnis der Sache verfasst hat.
Also sind diese oben zitierten Hexameterzeilen,
Scheinen sie mir auch fast neu, doch schon etwas vom Alter gezeichnet.
Allerdings muss ich bekennen, so wenig es hierher gehöret:
Stark übertrieben, wenn nicht gar gelogen wars, meine Kollegen
Wie auch Kolleginnen solcher Insuffizienz zu bezichtgen
Hinsichtlich mancher Programme, mit denen Bill Gates uns geschlagen!
Okay, es stimmt wohl, sie hängen verbissen der Maus an, die Zeit frisst,
Anstatt mit fröhlichem Schwung Tastaturbefehle zu nutzen;
Ja, und sie lassen ganz gern die Stilvorlagen links liegen,
Nicht zu erwähnen die Makros, die sie hartnäckig boykottieren …
Dennoch, der Seitenhieb war deplorabel, das Mindste zu sagen.
Aber genug! Ich verfehle am Ende das wirkliche Thema,
Das zu behandeln ich mir für den heutigen Abend gesetzt hab.
Denn es schreitet besagter Lektor, noch immer recht rüstig,
Mit dem Ende des Jahres in keinen gewöhnlichen Urlaub.
Vielmehr betritt er mit diesem gerade beschriebenen Datum
Diesmal die Sphäre der vielfach leise beneideten Rentner,
Die, nicht vom Wecker bedroht, späte Fernsehprogramme genießen
(Seien sie auch den Programmen des Tags keinen Deut überlegen)
Und ihren Schlaf ungestraft biologischem Rhythmus anheimtun.
Zwar ist in seinem Falle die Muße, die neue, noch endlich:
Führt er doch Umbruchkopien beträchtlichen Ausmaßes mit sich
In seinem blauen Toyota – nein, nicht mehr identisch mit jenem
Oben besungenen Auto, welch letzteres heute vermutlich,
Wenn überhaupt noch, in Afrikas Steppen und Wüsten herumfährt,
Wars doch für unsere östlichen Nachbarn zu alt schon und schäbig …
So ist dem Übergang also vom Angestellten zum Rentner
Dank dieses neu-alten Jobs eines sogenannt freien Lektors
Seine von manchen Kollegen verkündete Härte genommen,
Die zu ertragen er allerdings immer fröhlich bereit war,
Nicht ernstlich fürchtend, sie könnte ihm wirklich Probleme bereiten.
Lassen wir also den Lektor (den Ex, um es deutlich zu sagen),
An seinem extra im schwedischen Möbelhaus günstig gekauften
Umbruchberichtigungsschreibtisch den Rotstift zum Nutzen der Firma,
Deren vollzeitliche Dienste er altershalben quittiert hat,
Weiterhin schwingen – natürlich nicht unberechnet, versteht sich!
Möge sie stressfrei und angenehm bleiben, die stündlich gelöhnte
Arbeit, die nicht mehr durch allerlei ELKA- und andere Pflichten
In ihrem stetigen Fluss unterbrochen und lästig gestört wird.
Er wird den Hueber Verlag in guter Erinnerung haben,
Hoffend, dass auch vice versa man gern sich dort seiner erinnert
Und, wenn er künftig aus irgend gegebenem Anlass dort auftaucht,
Jedermann gern und mit fröhlicher Miene seiner gewahr wird.
Und so beschließt hier der Sänger (ich könnte auch sagen: der Alte)
Seinen Gesang und verzieht sich in seinen erneuerten Alltag.
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Die Geistesblitze
Für K. Geist
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An ihrer PC-Tastatur
sitzt Karolin und wartet,
dass eine schöne Reimfigur
in ihr Bewusstsein startet.
Sie wartet, doch das hilft ihr nicht,
die Reime bleiben fern.
Und ohne Reime: kein Gedicht!
(Wie ohne Nacht: kein Stern.)
Weit weg von ihrem wachen Geist
sieht sie Gedanken blitzen.
Doch kommen die nicht angereist,
sie bleiben einfach sitzen
und trinken einen übern Durst
mit Weib und mit Gesang;
und ihnen ist vollkommen Wurst,
dass Karolin so lang
schon an der PC-Tastatur
der Geistesblitze harrt.
Von Geistesblitzen keine Spur –
sie sitzt frustriert, genarrt.
Die Dichtkunst ist ein hartes Brot,
wenn sich die Reime zieren.
Da sitzt man hilflos da und droht
die Fassung zu verlieren.
Was machen Dichter ohne Reim
von Husum bis Arosa?
Am besten bleiben sie daheim
und schreiben erst mal Prosa
und warten, bis die holde Gunst
der Reime wieder da ist.
Dann flutscht erneut die Reimeskunst!
Ob Real-, ob Dadaist,
ob Klassik-, ob Romantiker,
egal: er dichtet wieder!
Ob mit, ob ohne Metrik, er
schreibt seitenweise nieder,
was ihm in ihrer Narretei
die Muse wieder eingibt,
und hofft dabei, dass sie nicht ei-
ne weitre Pause einschiebt.
Auch Karolinen wird erneut
die Dichtermuse küssen.
Wir hoffen: bald!, weil wir schon heut
die Mails von ihr vermissen
mit Versen voller Fantasie
und Reime-Kapriolen
Und wenn die Muse weiter zickt,
kann sie der Teufel holen!
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Zahlenlyrik
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Sie verl8 mich. 7ützt mich 3st.
Sie will nur 6 von mir.
7 8eiligt mich, wo sie nur kann.
Ich spiel für sie Kla4.
Sie be2felt, dass ich spielen kann.
Sie wir13d, wenn sie trinkt.
(Nur W1onst nichts. K1ekt, kein Bier!)
Sie ist bucklig, und sie hinkt.
Ihr Häuschen ist nicht 9icht alt.
Die alte Sch8 11liegt
auf ihrem Besen durch die N8.
Ich bin verhext … besiegt.
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Der Pfingstochs
(Morgennatz und Ringelstern)
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Der Pfingstochs grast auf seiner Wiese.
Er ist ein Ochs wie alle andern.
Doch nein, nicht ganz: Denn während diese
beim Grasen auf und nieder wandern,
bleibt er am Ort und wartet dreist,
dass ihn, nur ihn, der Heilige Geist
ganz pfingstfestmäßig hell erleuchte.
… Was dazu führt, dass seine feuchte
Pfingstochsennase leise zittert,
weil sie den Duft des Geistes wittert,
der schon im nächsten Augenblicke
eventuell die Geisteslücke,
die sein Gehirn gewöhnlich ziert,
ganz heiligmäßig ausradiert.
Doch weil der Geist ihm nicht erscheint,
Weil seine Geisteslücke dauert,
erlebt man, wie der Pfingstochs weint.
Man sieht. Man ahnt. Und man erschauert.
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Ein Osterei
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Zu Ostern gibts – was wohl! – ein Ei;
schön hartgekocht und fein bemalt
mit einer 4 und einer 2 –
das Ei ist prächtig eingeschalt.
Doch ihr wollt wissen, was das heißt,
wollt wissen, was dahintersteckt,
was 4 und 2 zusammenschweißt,
denn ihr seid ganz schön aufgeweckt
und glaubt nicht einen Augenblick
an reine Dekoration,
an Zufall, Dummheit, Missgeschick
des Malers bei der Konzeption
seines Entwurfs … Ihr wittert Sinn
in diesen Zahlen, einen Kern
des Wissens, der von Anbeginn
in ihnen steckt, und wüsstet gern,
wie er entschlüsselt werden soll.
Der Operand als Resultat?
Die Jahreszeiten? Leer und voll?
Proporz im Schweizer Bundesrat?
Ein kryptischer Verweis auf die
ultimative Lottozahl?
Eröffnung einer Schachpartie?
Geheimtipp für die Landtagswahl? |
(Wenn Ostern vor dem 2. April liegt:)
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Der zweite Vierte? (Wär zu spät …)
Die Osterinseln kreuz und quer?
Das A und O der Trinität?
Die Hierarchie im Engelsheer? |
(Wenn Ostern nach dem 2. April liegt:)
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Der zweite Vierte? (Wär zu früh …)
Die Osterinseln kreuz und quer?
Der Gipfelpunkt des Piz Palü?
Die Hierarchie im Engelsheer? |
(Wenn Ostern auf den 2. April fällt:)
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Der zweite Vierte? (Wär exakt
)
Die Osterinseln kreuz und quer?
Ein Walzer im Zweivierteltakt?
Die Hierarchie im Engelsheer? |
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Ja, ihr habt recht: Es gibt den Sinn.
Doch nein: Verraten wird er nicht.
Kratzt euch im Haar! Reibt euch das Kinn
und grübelt weiter! – Dies Gedicht
erzählt euch nicht, was diese 4
zu schaffen hat mit dieser 2.
Denn: Mit der Lösung wäre hier
die Fragerei sofort vorbei,
und dieses fein bemalte Stück
geriete in Vergessenheit.
So aber kommt ihr drauf zurück
und spekuliert von Zeit zu Zeit
darüber, was die Welt antreibt,
den Sinn, den Grund, das All, das Nichts,
was sich verändert und was bleibt –
Das ist der Sinn dieses Gedichts.
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Frühlingsgefühle
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Nach des Winters relativer Kühle
spürt der Mensch erneut Frühlingsgefühle.
Das sagt sich so leichthin; doch: was heißt es?
Ist es gut? Passabel? Schlecht? Wes Geistes
Kind ist dieses unklar definierte
Wesen, das im ersten der Gevierte
eines Jahrs, im Frühling eben, ausbricht
und den Sommer, Herbst und Winter aussticht?
Die zwar auch ganz schön sind, ohne Frage,
aber: ohne eigene Seelenlage!
Sommer-, Herbstgefühle? Nie vernommen!
Und Wintergefühle? Nein! Es kommen
solcherlei Empfindungen in keinem
Lyrikbändchen vor. Es bleibt bei einem
einzigen, bei diesem singulären
(wenn auch leider nur recht ungefähren)
jahreszeit-spezifischen Vibrieren,
das den Wintermuffelmenschen schieren
Übermut beschert, ein Hasch-mich-Feeling,
eine Lust am Woll-Klamotten-Peeling,
eine Sehnsucht nach Wellness-Oasen,
Grillgeruch und Déjeuners sur Rasen,
kurz: dem Duft der freien Frühlingsfrische,
angehaucht vom Öl-Benzin-Gemische
freudig drehender Mofa-Motoren,
die, aus Kellerräumen neu geboren,
ihre Fahrerinnen oder Fahrer
wie durch Zauberhand in wunderbarer
Leichtigkeit des Seins von hinnen tragen ...
Doch genug davon. Das wars. – Noch Fragen?
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Weihnachten
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Kerze duftet. Mutter schuftet
in der Küche. Wohlgerüche
greifen Raum. Grüner Baum
liegt im Garten, muss noch warten:
Christbaumständer zeigt noch Ränder
roten Wachses.
Toten Lachses
rosa Masse wird zu klasse
Weihnachtsessen. Unterdessen
wird die dichte grüne Fichte
aufgestellt. – Christbaum hält,
Vater schwitzt. Und schon blitzt
auf den Zweigen, die sich neigen,
Christbaumflitterschmuckgewitter.
Alles freut sich darauf, heut sich
mit Geschenken zu bedenken
und – mit leisen Weihnachtsweisen
von CD – der Idee
von weltweiten Friedenszeiten
nachzusinnen. Und tief drinnen
wächst ein Glaube: Friedenstaube
trägt die Welt.
Christbaum fällt.
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Vögel zwitschern
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Vögel zwitschern. Aber: Raben krähen.
Enten quaken. Amseln, sagt man, singen.
Adler rufen, wenn sie kreisend spähen,
während Gänse fast wie Enten klingen.
Spechte klopfen, während Tauben gurren.
Spatzen tschilpen. Lerchen tirilieren.
Störche klappern. Pinguine murren.
Man kann glatt den Überblick verlieren.
Hühner gackern und Lachmöwen lachen.
Krähen schrein, wie Nietzsche trefflich schildert.
Aber weiß man, was die Eulen machen,
wenn der Wilderer im Mondschein wildert?
Zwitschern Eulen? Lachhaft! Nie und nimmer!
So lässt sich die Eule nicht beschreiben.
Eulen, welche zwitschern, würden immer
jeden Wilderer sofort vertreiben.
Vögel zwitschern, sagt man, doch das stimmt nicht.
Vögel picken – Pelikane, wehrt euch!
Vögel schwimmen – Quatsch, die Amsel schwimmt nicht.
Vögel fliegen – Strauße, lauft, beschwert euch!
Was wir über eine Gattung sagen,
ist fürs Einzelteil noch längst nicht treffend.
Trotzdem wird man weiter Vögel jagen,
blinden Glaubens Vögel zwitschern! kläffend.
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Gibt es tatsächlich …?
Scheißlyrik
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Gibt es tatsächlich Menschen, die nicht wissen,
dass sich nur Menschen, die sich lieben, necken?
Lebt nicht, wer das nicht weiß, total
Nein, das Gedicht sollten Sie nicht lesen. Der Untertitel sagt es überdeutlich: Es ist kein feines Gedicht.
Es ist vulgär, politisch inkorrekt, skatologisch und sinnlos. Tun Sie sich das nicht an!
»»»» Ich möcht’s aber lesen!
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Steuern
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Es mahnt der Staat die Steuern an.
Genauer: Die Erklärung.
Er gibt mir dreißig Tage Zeit.
Vier Wochen auf Bewährung.
Das Formular wär kein Problem.
Hingegen die Belege,
mal hier, mal da, mal dort verstreut!
Wie bring ich das zuwege?
Am Ende wirds wie immer sein:
Ich schiebs, so lang wie möglich.
Dann trag ich, was ich finde, ein.
Das Resultat ist kläglich:
Ich hab zu viel zu deklariern,
zu wenig abzusetzen.
Ich werd, wie jedes Jahr, verliern.
Man wird mich überschätzen.
Was sich versteckt hat an Papier,
wird sich erst später finden.
Dann ists zu spät. Dann kann ich mir
ein Feuerchen anzünden.
Na gut, das hält zumindest warm
für einige Sekunden.
Und doch – ich wär heut weniger arm,
hätt ichs in time gefunden.
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Bis Eching vierspurig
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Mancher fährt nur
auf der Überholspur,
der äußersten linken.
Blinken
nach vorn, als gemeiner Stich
in die Spiegel des Vordermanns,
ist ihm Gewohnheit:
Mach Platz! Denn ich,
schimpft er, ich kanns
noch einen Tick schneller als du!
Er gibt keine Ruh.
Schonzeit
gewährt er nicht,
nicht zwei Sekunden.
Bevor er am einen vorbei ist,
hat sein Licht
die Spiegel des nächsten gefunden,
den er scheuchen kann, fort
in die Mitte, die wertlosen rechteren Spuren.
Nur wenn dort
zufällig mal Polizei ist,
grün-silbern, und signalisiert:
Wir sind da, alles sehend!,
nur dann, dann dreht sich
sein Motor vorübergehend
auf etwas geringeren Touren.
Doch sowas passiert
nur ganz selten,
und wenn, dann ganz kurz nur, versteht sich.
Gleich tritt er erneut aufs Pedal,
und mit weiterem Blinken und weiterem Schelten
vergrößert er weiter die Zahl
der von ihm souverän Überholten.
Am Abend schaut er sich dann
(wobei er keine Miene verzieht)
im Fernsehn die Autowracks an,
die völlig zerfetzten, verkohlten
von der Massenkarambolage du jour. –
Für eine Verbindung
zwischen dem, wie er fährt, und dem, was er sieht,
fehlt ihm im Hirn die entscheidende Windung.
Ein ärgerliches Versehn der Natur.
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Traumrest beim Aufwachen
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Es lebt ein Hengst in Kalifornien,
es lebt ein andrer Hengst am Nil.
Die konnten nicht zusammenkommen.
Den beiden war die Fahrt zu viel.
Zu viel, zu weit und zu beschwerlich
der breite Fluss, das weite Meer.
Es war zu weit und zu gefährlich.
Das traf die beiden Hengste sehr.
Der Hengst am Nil schrieb an den andern:
Du bist doch ein Araberpferd.
Drum ists an dir, du musst auswandern.
Am Nil ist deiner Väter Herd!
Der kalifornische Behufte
schrieb seine Antwort ohne Hast:
Dein Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater
trug den Kalifen zum Palast.
Drum ist dein Platz in Kalif-ornien,
und du musst reisen, ist doch klar!
Ist es vonnöten zu erwähnen,
dass jeder da blieb, wo er war?
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Das Rechtschreibreform-
geschrei war enorm,
doch kam dieser Storm
der Entrüstung zu spät.
Die Reform der Reform
verformte die Norm,
die neue, konform
mit der Realität
des Leserempfindens
(so hofft man zumindens).
Hätt man die Reform
sonst wie einen Worm
zertreten, zerquetscht?
Wer hätt sich entsetscht
über solche Nichtachtung?
(Bei naher Betrachtung
ist all das nur Quatsch.
So whatsch?)
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Schöner Mensch
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Hinter seiner Denkerstirn
hat er nur ein Stänkerhirn.
Mit dem Strahleaugenpaar
nimmt er keine Schönheit wahr,
sondern nur: Gelegenheiten
zu betrügen und zu streiten.
Mit dem wohlgeformten Mund
tut er keine Freude kund,
sondern nur: „Ich will …! Ich hasse …!“
Schade. Aussehn tät er klasse.
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Wahljahr 2005
und Integrationsdebatte
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Deutsch ist easy,
sagt Herr Geasy;
Deutsch ist mondän,
meint Herr Lafontän;
Deutsch, das kenn ich,
das brauch ich, wenn ich
so vor mich hin werkel,
plappert Frau Merkel.
Gehts auch noch blöder?,
zischelt Herr Schröder.
Unse Deutsch ist sische,
ruft Herr Blüm, nicht Herr Fische.
Auch Herr Westerwelle
ist nicht zur Stelle
mit einem Statement zur deutschen Zunge.
Wahrscheinlich macht er grad Wahlkampf, der Junge.
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Ente und Eule
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Zur Eule sprach die Ente:
„Was ist mit meiner Rente,
wenn ich mal sechzig bin?“
Und lechzig hin.
Zur Ente sprach die Eule:
„Ja, leg dich hin und heule!
Das faule Leben rächt sich
mit sächt sich.“
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