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Zweifel des Bären

Einen Moment lang hab' ich wirklich gedacht,
du hättest das alles mit Absicht gemacht.
Meinen Gang ins Verderben hättest du schlau geplant.
Ich dachte noch, wär' ich klüger, dann hätt' ich's vorher geahnt.
So 'ne linke Tour hab' ich dir tatsächlich zugetraut.
Ich war noch stolz, weil ich dachte, ich
hab' den Fuchs durchschaut.

Heute schäm' ich mich darüber,
Ich glaube, ich hab' dir Unrecht getan.
Sicher war es nur ein Zufall.
Vielleicht bin ich auch selber schuld daran.
Dieser Lust auf das süße Leben
hab' ich hemmungslos nachgegeben,
da musst' es ja einmal so kommen, wie es dann kam …


Jedermann hält dich für tückisch und schlau,
aber eigentlich weiß man das nicht so genau.
„In dubio pro reo", das ist billig und recht.
Solang man dir nichts beweisen kann, bist du nicht wirklich schlecht.
„Wo gehobelt wird, fliegen Späne" sagt man und „Viel Feind, viel Ehr".
Und doch wär's mir lieber, wenn ich dir
nie begegnet wär.

Ich kenne keine Vorurteile.
Äußerlichkeiten interessier'n mich nicht.
Rasse, Farbe, Herkunft oder Glaube –
vorausgesetzt, ich mag ein Gesicht.
Also werd' ich den Verdacht begraben,
du könntest mich überlistet haben –
und hoffe, du kommst für was anderes
bald vor Gericht …

© 1996 Werner Bönzli, Reichertshausen


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