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Liebes-Geschichte

Adam sah Eva, sie war ein Traum.
Die Schlange fand die beiden vor dem Apfelbaum.
Der Baum war tabu, der Baum war streng verboten.
Die Äpfel sahen gut aus, besonders die roten.
Eva hatte Lust, doch ihr fehlte der Mut.
Die Schlange sprach zu ihr: „Na komm, die Äpfel sind gut,
sie sind ganz fantastisch, komm, nimm dir einen
beiß einfach hinein, nimm doch keinen so kleinen!

Vergiss das Verbot! Das ist nur Theater.
Das merkt er doch gar nicht, der gute Gottvater.“
Da stahl sie einen Apfel mit schneller Hand,
biss hinein und sprach zu Adam, der neben ihr stand:

„Die andere Hälfte musst du jetzt verspeisen,
nur so kannst du mir deine Liebe beweisen,
und wenn du's nicht tust, dann werd' ich dich hassen.
Du kannst mich jetzt doch nicht im Regen stehen lassen!“
Und der Adam, er tat es, der Idiot,
und nach hundertzwanzig Jahren waren beide tot.
Und wir alle sind seither nicht unsterblich,
denn was Eva tat, war Sünde, und die Sünde ist erblich.

Die Liebe der Frau liebt die Extreme,
sie macht dem Mann die allergrößten Probleme.
Und doch ist die Liebe der Frau unentbehrlich.
Die Liebe der Frau ist lebensgefährlich!


Alexander der Große
356–323 v.Chr.

Alexander der Große fuhr in Richtung Iran,
beruflich sozusagen, und er kam auch gut an.
Die Gegend gefiel ihm, die Leute, das Land,
und besonders ein Meder, den er dort fand.
Die beiden verliebten sich gleich ineinander,
der Meder Bagoas und der Grieche Alexander.
Sie blieben zusammen und wurden ein Paar.
Das galt damals nicht als sonderbar.

Nun liebte Alexander aber schon seit Jahren
den schönen Hephaistion, der war auch mitgefahren.
Der sagte zwar nichts, doch er kochte vor Wut
und fand die ganze Geschichte überhaupt nicht gut.

Die Sonne schien, man fuhr weiter durchs Land
und kam schließlich in die Gegend von Samarkand.
Dort traf Alexander auf die wilde Roxann',
die weckte gleich in ihm den alten Hetero-Mann.
Und er bat ihren Vater spontan um ihre Hand.
Das brachte Hephaistion ganz um den Verstand.
Er trank nur noch Wasser, er aß nur noch Brot.
Das ging so zehn Tage, dann war er tot.

Jetzt fühlte Alexander einen großen Schmerz.
Doch Gott sei Dank verlor er gleich darauf sein Herz
an eine persische Prinzessin, die Hochzeit war klasse,
und das war der Beginn der seleukidischen Rasse.

Die Liebe des Mannes ist chaotisch,
er findet alle möglichen Leute erotisch.
Die Liebe des Mannes ist egomanisch.
Der Mann liebt nicht unbedingt monogamisch.


Gaius Julius Caesar
100–44 v.Chr.

Der Imperator Gaius Julius Caesar
hatte ein Faible für rabenschwarzes Haar.
Das Haar, das die übliche Römerin trug,
das war ihm noch lange nicht schwarz genug.
Darum mussten seine stolzen Legionen
jedes Haus durchsuchen, wo Menschen wohnen,
in jedem Land der Erde, egal mit welchen Kosten,
im Süden, im Westen, im Norden, im Osten.

Sie sahen sich überall nach schwarzen Haaren um.
Dabei entstand ganz nebenbei ein Imperium.
Das dauerte, bis endlich irgendwann, irgendwie
ein Legionär, der Griechisch konnte, „Heureka“ schrie.

Er sah Kleopatra, Königin der Pyramiden.
Ihr Haar war fast wie römisches und doch verschieden:
schwarz wie die Feder eines kohlschwarzen Raben!
Da rief der Legionär: „Diese Frau muss Gaius haben.“
Schon flog eine Brieftaubenbotschaft übers Meer.
Darin stand: „Ave Caesar! Komm sofort her!“
Der war nach acht Tagen schon in Alexandria
und fuhr gleich nilaufwärts weiter zu Kleopatra.

Als er ihre Haare sah, geriet er in Ekstase.
Aber bald danach fiel sein Blick auf ihre Nase.
Diese hatte nicht das klassisch römische Profil,
und so war Caesar sogar am Nil noch immer nicht am Ziel.

Tief enttäuscht segelte er gleich zurück nach Hause.
Seine Legionäre hatten endlich eine Pause.
Und Caesar suchte jetzt, von Schwermut gepackt,
zum guten alten Brutus wieder engeren Kontakt …

Die Liebe des Mannes ist zum Lachen.
Er liebt die allereigenartigsten Sachen.
Er liebt nicht die Menschen, er liebt seinen Fetisch.
Die Liebe des Mannes ist – pathetisch.


Karl der Große
768–814

Der fränkische Kaiser Karl der Große,
aß gerne Schweinerücken mit Champignonsoße.
Er liebte außerdem den Krieg und die Jagd
und die Himiltrud, eine reizende Magd.
Eigentlich war für ihn alles in Butter.
Doch dann fand Bertrada, seine Mutter,
bei den Langobarden für ihn eine Frau,
eine richtige Prinzessin, das passte genau!

Und sie begann ihn Tag und Nacht zu quälen,
er solle sich mit dieser Prinzessin vermählen.
Er wollte zwar nicht, doch sie gab keine Ruh',
und so stimmte er schließlich widerwillig zu.

Die Prinzessin war ein Flop, ihr Name ist vergessen,
doch der Appetit kam für Karl mit dem Essen.
Schon nach einem Jahr stand er wieder am Altar
mit einer Hildegard, die gerade dreizehn war.
Zehn Jahre und neun Kinder später starb Hildegard,
nach ihr kam Fastrada und danach Liutgard.
Doch dann war Schluss mit ehelicher Bindung –
er importierte eine islamische Erfindung:

Er baute sich in Aachen ein schönes Frauenhaus.
Aus jedem Fenster schaute eine schöne Frau heraus.
Die Adallind, die Madelgard, Regina und Gerswind,
die schenkten ihm das eine oder andere weitere Kind.

Für Karl den Großen wurde die Familie zur Plage.
Na klar – versetzen Sie sich doch mal kurz in seine Lage!
Die Kinder eines Kaisers woll'n sich kaiserlich vermählen.
Da stellte sich die Frage: Woher nehmen und nicht stehlen?
So zog er Jahr für Jahr mit seinem Heer durch Schnee und Wind.
Kaum war ein Land erobert, kam schon das nächste Kind.
Und schuld am ganzen Stress, das wusste Karl genau,
war nur das Drängen seiner Mutter wegen seiner ersten Frau …

Die Liebe der Mutter ist nicht zu vermeiden,
und wer zu ihr nein sagt, wird lebenslang leiden.
Doch auch wer gehorcht, wird nicht unbedingt froh –
da kann man nichts machen, das ist eben so.


Isabella I. von Kastilien
1451–1504

Christoph Kolumbus
1451–1506

Die stolze Isabella saß im Escorial
und plauderte mit einem gewissen Cristobal,
mit Cristobal Colon, auch Kolumbus genannt.
Den fand die Isabella nicht ganz uninteressant.
Er hatte eine ganz konfuse fixe Idee:
Er wollte rückwärts fahren mit dem Schiff auf hoher See,
das sei schneller als normal … Er war wohl nicht ganz dicht.
Aber das, ehrlich gesagt, störte Isabella nicht.

Denn dieser Cristobal war unglaublich gut gebaut!
Mit seinem starken Hals und seiner seemannsbraunen Haut
machte er der stolzen Isabella sehr schnell klar,
welches Glück sein verrückter Plan für Spaniens Krone war.

Und sie ließ für ihn drei stolze Schiffe bauen
als öffentliches Zeichen für unendliches Vertrauen.
Und im größten dieser Schiffe, vierundwanzig Meter lang,
fand sich ein verborgener Platz für ein Privatappartemang.
Am Tage des Rekordversuchs blieb Isabell verschwunden.
Es hieß, sie sei aufs Land gefahren für ein paar Stunden.
Doch Cristobal Colon fuhr unter donnerndem Applaus
mit seinen stolzen Schiffen aufs offene Meer hinaus.

Aber sein Rekordversuch konnte gar nicht glücken,
denn er ließ auf Deck sich wochenlang nicht blicken.
Die Schiffe trieben westwärts ohne Führung, ohne Plan,
und kamen irgendwann in einer gottverlassenen Gegend an.

Die stolze Isabella blieb die ganze Zeit verborgen.
Man suchte sie und machte sich schon ziemlich große Sorgen.
Doch wie's der Zufall wollte: An dem Tag, als mit Trara
Cristobal zurückkam, war auch Isabella wieder da …

Die Liebe der Frau zeigt uns ganz neue Welten.
Das ist zwar nicht billig, oder höchstens ganz selten,
doch andererseits muss man gestehen:
Man bekommt für das Geld eine Menge zu sehen.


Louis XVI.
1754–1793
Marie Antoinette
1755–1793

Ludwig I. von Bayern
1786–1868
Lola Montez
1818–1861

Edward VIII.
1894–1972

John F. Kennedy
1917–1963
Marilyn Monroe
1926–1962

Bill Clinton
*1946

Ludwig XVI. liebte Marie Antoinette.
Beide liebten das Leben, beide starben nicht im Bett.
Und ein bayerischer König, der auch Ludwig hieß,
liebte eine Lola, die ihm keine Ruhe ließ.
Die Sache mit der Lola wurde schließlich zum Skandal.
Dagegen waren Edward und Miss Simpson recht banal.
Er sagte: „Meine Krone könnt ihr euch sonstwohin schieben  –
Ich will gar nicht regieren, ich will nur Miss Simpson lieben.“

J. F. K. und Marilyn, Monica und Bill,
die Liebe fällt auf jeden Fall, wohin sie fallen will.
Meist bleibt von ihr ein Tagebuch, ein Brief, ein paar Gedichte …
Doch wenn sie auf die Großen fällt, dann schreibt sie Geschichte.

Die Liebe des Menschen hat Konsequenzen,
sie ist nicht vernünftig, sie kennt keine Grenzen.
Sie nimmt uns alles und gibt nichts zurück. –
Liebe ist Leben! Liebe ist Glück!

© 2000 Werner Bönzli, Reichertshausen


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