Ich weiß, du spürst es schon seit Wochen
Kurz hineinhören (358 KB)
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Ich weiß, du spürst es schon seit Wochen,
dass ich nicht wirklich glücklich bin.
Ich habe nie darüber gesprochen,
ich weiß, das hätte keinen Sinn.
Du könntest mich ja danach fragen,
doch dazu fehlt dir wohl der Mut.
Solange wir nichts darüber sagen,
denkst du, wird alles wieder gut.
Ich hab' dir nie davon erzählt,
dass mir im Leben etwas fehlt.
Ich weiß, du willst nichts darüber hören.
Es könnte deine Ruhe stören.
Wir haben die Wohnung, wir haben den Hund,
wir haben zu essen, wir sind gesund.
Darüber sollt' ich mich eigentlich freuen.
Und darum halte ich meinen Mund.
Ich kann mich noch daran erinnern,
wie es mit uns am Anfang war.
Wir hatten Spaß an kleinen Dingen,
die Welt war groß und wunderbar.
Wir gingen stundenlang spazieren.
Wir hatten nichts – wir hatten Zeit.
Wir wollten niemals resignieren.
Wir wollten keine Sicherheit.
Ich hab' dir nie davon erzählt,
dass mich im Innern etwas quält.
Ein kleiner Schmerz, ein leises Stechen –
es lohnt sich kaum, darüber zu sprechen.
Wir haben das Haus, wir haben das Kind.
Wir haben das Auto, es fährt wie der Wind.
Und ich sollte mich wohl auch darüber freuen,
wie gut wir beide versichert sind.
Wir geben Geld aus, und wir sparen.
Ich sag dir, was mich daran stört:
Wir interessieren uns seit Jahren
nur noch für das, was uns gehört.
Wir hatten mal Augen für die andern,
die auch auf dieser Erde sind,
die durch ihr eigenes Leben wandern –
doch schon seit Jahren sind wir blind.
Ich hab' dir nie davon erzählt,
was mir in unserm Leben fehlt.
Ich kann es vielleicht nicht gut beschreiben.
Ich weiß nur, so darf es nicht bleiben.
Wir haben die Villa, wir haben die Yacht.
Das alles hat uns nicht glücklich gemacht.
Ich denke, darüber sollten wir sprechen.
Und jetzt schlaf weiter. – Gute Nacht.
© 2001 Werner Bönzli, Reichertshausen
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