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Lied vom Glück

Die Strophen 1 und 2 hören
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We hold these truths to be self-evident:
that all men are created equal;
that they are endowed by their creator with certain unalienable rights;
that among these are life, liberty and the pursuit of happiness.

Am vergangenen Samstag um fünfzehn Uhr dreißig
starb vor lauter Verzweiflung das Glück.

Das Glück kam zur Welt vor hunderttausend Jahren.
Es wusste nie genau, wer seine Eltern waren.
Der eine Elternteil war vielleicht das Vergessen,
der andre war die Liebe, die Vernunft, vielleicht das Essen.

Das Glück ging nie zur Schule, denn es brauchte nicht zu schreiben.
Es konnte jeden Tag ganz cool allein zu Hause bleiben.
Doch die Kindheit und die Jugend waren irgendwann vorbei,
denn plötzlich wussten alle, dass das Glück zu haben sei.

Und alle rannten hinter ihm her.
Das Glück fand das gemein, es hatte keine Ruhe mehr.
Es kaufte sich 'ne Sonnenbrille und änderte die Frisur,
doch es war zu spät, die Menschen waren ihm schon auf der Spur.


Und alle fingen an, nach diesem Glück zu jagen,
doch wie das gelingen soll, das konnte keiner sagen.
Manche wollten das Glück mit Geld nach Hause bringen,
andre suchten Macht und wollten so das Glück erzwingen.

Manche blieben gut und dachten so das Glück zu binden.
Viele hofften in der Ehe das Glück zu finden.
Manche stürzten sich in die Arbeit und die Pflicht,
doch das Glück floh weiter und sie kriegten es nicht.

Sie rannten alle hinter ihm her.
Das Glück wurde müde, seine Beine wurden schwer.
Es fühlte sich erschöpft, alles wurde ihm zu viel,
da packte es die Koffer und ging ins Exil.


Es fuhr auf eine Insel, dort verschwand es ohne Spur.
Bis heute weiß man nicht genau, wohin es eigentlich fuhr.
Die Menschen, die dort lebten, hatten nie vom Glück erfahren.
Vielleicht war das der Grund, warum sie ziemlich glücklich waren.

Auf dieser Insel ließ das Glück sich froh und dankbar nieder.
und schon nach ein paar hundert Jahren lächelte es wieder.
Doch dann geschah das Unglück: Drei Touristen kamen vorbei.
Als die das Glück erkannten, da rannten alle drei.

Sie rannten alle hinter ihm her.
Da gab das Glück auf, es wollte nicht mehr.
Es legte sich aufs Bett und verriegelte die Tür
und erwartete das Ende, und das kam um halb vier.

Am vergangenen Samstag um fünfzehn Uhr dreißig …

© 2004 Werner Bönzli, Reichertshausen


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