Das große Gefühl ist vergangen,
man hat sich aneinander gewöhnt.
Man hat sich ein paar Mal gestritten.
Man hat sich ein paar Mal versöhnt.
Die Kussfrequenz wird vermindert,
die Intensität sowieso.
Der Feierabend wird nicht mehr gefeiert.
Die Begrüßung wirkt nicht mehr so froh.
Es ist nicht mehr, wie es mal war,
es wird nicht mehr gelacht, nicht mehr geküsst.
Man dachte, es sei
die eine große Liebe, doch die ist vorbei.
Unglaublich, wie völlig vorbei die ist
Kühle Worte werden gewechselt,
kalte Blicke werden getauscht.
Quittungen werden gefunden.
Telefonate werden belauscht.
Ein fremdes Parfum wird gerochen,
ein fremdes Haar wird untersucht.
Ein Stück Porzellan wird dynamisch zerbrochen.
Der erste Kuss wird nachträglich verflucht.
Es ist nicht mehr, wie es mal war
Ein Rechtsanwalt wird gefunden.
Der Ehevertrag wird studiert.
Dokumente werden beglaubigt.
Wertsachen werden notiert.
Ein Gerichtstermin wird vereinbart.
Die Messer werden gewetzt.
Schmutzige Wäsche wird gewaschen.
Gefühle werden verletzt.
Es ist nicht mehr, wie es mal war
Die Liebe wird amtlich beendet.
Eines Tages ist alles vorbei.
Ein Stück Papier wird unterschrieben.
Man fühlt sich verloren und frei.
Man bleibt eine Zeit lang zu Hause.
Man gibt sich verschlossen und kühl.
Man macht gesellschaftlich eine Pause.
Man vermisst das große Gefühl.
Es ist nicht mehr, wie es mal war
© 2001 Werner Bönzli, Reichertshausen
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