Braver Bauer
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Ein braver Bauer wollte sich verändern,
Er wollte nicht mehr braver Bauer sein.
Er liebte zwar die Kühe und die Schweine,
doch diese Artenvielfalt wurde ihm zu klein.
Er wollte auch Exotischeres pflegen,
vielleicht Giraffen, oder einen Leguan …
Und dieses übergroßen Wunsches wegen
fing er im Zoo als kleiner Tierpfleger an.
Dort pflegte er zuerst die Seeelefanten
und dann die Pinguine und den Zwergenwal,
und als die Tiere ihn allmählich besser kannten,
da fand er seine neue Arbeit ideal.
Und bei der Fütterung seiner Meeresteich-Insassen
sie wurde zweimal täglich durchgeführt
da schauten immer Zoobesucher zu in Massen
und klatschten Beifall und waren ganz gerührt.
Doch dann wollte sich der Tierpfleger verändern,
Er wollte nicht mehr Tierpfleger sein.
Er liebte seine Tiere zwar noch immer,
doch sein Publikum war ihm schon bald zu klein.
Er sehnte sich nach proppenvollen Sälen,
nach einem Publikum in Woodstockdimension.
Da kaufte er sich eine E-Gitarre
und übte fleißig seinen allerersten Ton.
Dann kam der zweite Ton und bald danach der dritte,
und bald schon klangen seine Riffs fast genial,
und eine Hardrockband nahm ihn in ihre Mitte:
Da stand er nun vor einem proppenvollen Saal.
Er spielte gut, aus kleinen Sälen wurden Hallen.
Er war der Sologitarrist und fast ein Star,
und er ließ jeden Abend coolere Riffs erschallen
und war zufrieden und fand alles wunderbar.
Doch dann wollte sich der Rockstar verändern.
Er wollte plötzlich nicht mehr Rockstar sein.
Er liebte zwar sein Publikum noch immer,
doch ihm fielen keine neuen Riffs mehr ein.
Drum legte er sein Instrument beiseite
und stürzte sich stattdessen in die Politik.
Er hatte zwar nicht den geringsten Schimmer,
doch alle schwärmten noch von seiner Rockmusik.
Und deshalb lag die ganze Basis ihm zu Füßen,
und was er sprach, galt ganz von selbst als brilliant.
Er konnte charismatisch in die Menge grüßen.
Er war für sie der neue Mittelmaß-Garant.
Er sprach vor vollen Hallen, sprach vor vollen Sälen,
bis er in allen Wahlprognosen vorne lag
und eine Mehrheit es für gut hielt, ihn zu wählen.
So fand er sich zuguterletzt im Bundestag.
Doch dann wollte der Politiker sich verändern.
Er wollte nicht mehr Politiker sein.
Auf einmal hasste er die Bäder in der Menge,
und dachte nur noch müde: Lasst mich doch allein!
Er hängte die Krawatte an den Nagel
und ging und heuerte auf einem Leuchtturm an.
Allein auf einer ewig langen Düne
begann er seinen neuen Dienst als Leuchtturmmann.
Er stieg zweihundertfünfundneunzig enge Stufen
allabendlich im Turm empor und machte Licht.
Im Gegensatz zu seinen früheren Berufen
war es sehr ruhig hier, und das störte ihn nicht.
Dort oben ließ er die Gedanken ruhig kreisen.
Der weiße Lichtstrahl seines Leuchtturms kreiste mit.
Er musste nichts begründen, musste nichts beweisen.
Er fühlte sich gedanklich locker, leicht und fit.
Doch dann wollte sich der Leuchtturmmann verändern.
Er wollte nicht mehr Leuchtturmwärter sein.
Denn eines Tages kam eine Touristin.
Und die war freundlich, sie war lieb, sie war allein.
Sie behinderte ihn keineswegs beim Denken,
nein, ganz im Gegenteil, ihm wurde vieles klar,
und er beschloss, ihr Herz und Hand zu schenken.
Und dann erfuhr er, dass sie eine Bäuerin war.
Jawohl, sie hatte einen Hof, doch keinen Bauern,
und so geschah es schicksalshaft, wie es geschah
Er sah keinen Grund, dem Leuchtturm nachzutrauern.
Die Bäuerin und der Hof, die waren nun mal da.
So fand er sich am Ende wieder zwischen Kühen
und zwischen Schweinen, und er fand das gar nicht schlecht.
Was immer man auch tut, man muss sich immer mühen.
So sprach er philosophisch, und er hatte recht.
© 2009 Werner Bönzli, Reichertshausen
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